Djayi
Als hätten sie nie vorher dieses Stückchen Erde bewundern können, so begeistert umfassen es die Augen des Rechtsanwaltes Doktor Otto Magnus. Ein klarer, rebellisch stürmischer Märztag neigt sich fast seinem Ende. Der heftige Wind hat sich beinahe völlig gelegt, nur in den hohen, kahlen Baumkronen scheint er noch herumzuspielen. In den lichtgrün überhauchten Feldern will sich schon allerlei regen, und aus den schwarzen Äckern quillt Werdeduft und Atem der Erde. Wie in heiliger Erwartung, überwölbt vom festlich blauen Himmel, streckt und reckt sie sich noch wie in zager Angst und halben Wehen. Im Antlitz des an der Terrassenbrüstung lehnenden Mannes zuckt es wie Wetterleuchten. Die Spuren seelischer Bewegung sind darin noch deutlich verzeichnet und die Augen gerötet. Und: »Echte Mannestränen, aus welchem Quell sie auch kommen mögen, brennen stets wie helles Feuer,« hatte Großchen immer gesagt. Der Rechtsanwalt kann sich nicht mehr so recht erinnern, wann er wohl zuletzt geweint haben mag. Aber lange, lange ist das her. Allein er schämt sich auch nicht, daß er es gestern und heute getan und daß er verspürt, wie nahe ihm noch immer die hellen Tropfen am Lidrande stehen. Seine Augen, die jetzt nur über dieses Stück märzlichen Rheinlandes hinzublicken scheinen, schauen aber zugleich eine lange Straße weit, weit zurück. Sie führt Otto Magnus wieder in ein verlassenes, anderes Land, in