Chapter

Erstes Kapitel

Im ersten Anbeginn des zweiten Drittels des 16. Jahrhunderts war's, daß an einem Frühlingsmorgen in der Hansestadt Hamburg sich großer Volksauflauf in einer Gasse drängte. Alle Augen bestaunten einen Schauzug, obwohl er an sich nichts sonderlich Ungewohntes, noch in seiner Ausdehnung Übermäßiges darbot. Ein sehr großer und noch mehr breitwüchsiger Mann in ritterlicher Panzerrüstung ritt an der Spitze von vierzig Harnischreitern, hinter denen angehäufte Wagen mit allerhand erbeutetem, wertvollem fremdländischen Streitgut folgten. Ihm voran zogen Trompeter, laut in ihre gewundenen Metallhörner blasend, das Visier seines federüberwallten Helmes war aufgeschlagen und wies ein kraftvolles Mannesgesicht in der Mitte der dreißiger Jahre mit langem braunrotem Bart und außerordentlich lebendigfeurig blitzenden Augen. An seiner Seite gab eine Anzahl wohlbenamter Hamburger Bürger, Herr Jochim Twestreng, Cord Goldener, Tydeke Moller und andere ihm bis vors Tor hinaus das Ehrengeleit; er redete lustigen Tons weithin hörbar mit ihnen und lachte noch lauter. Überall empfing die Volksmasse ihn mit Zuruf und Jubel, dann zog er die Lippen über ein mächtiges, weiß aufglänzendes Gebiß und grüßte mit etwas ungeschlachter Armbewegung, doch schien's, als diene gerade diese dazu, das Gejauchz der Menge noch höher zu spornen. So ritt er, in den Zügen ein Gemisch von trotzigem Stolz und geschmeichelter

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