Chapter

Erstes Capitel Das Gaißmädchen und die Stiefmutter.

Annemareili wäre eigentlich kein so übles Kind gewesen, wenn's auf seinem Kopfe nicht so gar wie in einer Brombeerstaude ausgesehen und man die natürliche Farbe seiner Backen erblickt hätte. Denn wußte es wirklich etwas vom Kämmen und Waschen, so war's höchstens vom Hörensagen; jedenfalls hatte es sich nie erkältet dabei, noch weniger aber erhitzt. Das Mädchen gehörte einem armen Weber, war indeß bei noch ärmeren Leuten verkostgeldet, weil ihm die Mutter gestorben, noch ehe es zwanzig Wochen alt gewesen und der Vater seitdem keine Haushaltung mehr führte, sondern im Verding arbeitete. So sah denn keine Seele zu Annemareili, zeigte ihm nichts, hieß es nichts, als auf der Waide die Gaißen hüten und etwa im Felde ein wenig Unkraut jäten. Es wuchs wild auf, glücklich und zufrieden mitten im Unrath, und wenn ihm die Leute auch auswichen, das war ihm gleich, seine Gaißen leckten ihm doch die Hände und hatten es nur um so lieber. Es fiel ihm nicht im Schlafe bei, daß es, das Annemareili, ebenso gut hätte sauber sein können als die andern Kinder im Dorfe. Diese andern Kinder waren ja auch nicht wie es bei allem Hudelwetter draußen im Freien, saßen in der Stube auf der Ofenbank oder spielten in Scheunen am Schermen, wenn ihm der Morast über den nackten Füßen zusammenlief, schliefen in Betten, wenn es neben dem Säustall auf einem Laubsacke lag und sich nothdürftig mit verdorbenen Lumpen

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