Chapter

Die Zuwider-Wurzen

„Kreuz Birnbaum und Hollerstaud’n! Wie lang’ soll denn die G’schicht’ noch dauern? Drunten im Dorf werden’s schon bald das Z’sammenläuten anfangen, und da rührt sich alleweile noch nichts!“ So rief es aus der Stube im Erdgeschosse durch das stattliche Bauernhaus, das in der einsamen Jachenau an dem Abhange liegt, wo es „am Berg“ genannt wird und wo der vom Walchensee herkommende Wanderer, nachdem er die feuchten Waldniederungen und den Erlengrund durchschritten hat, zuerst das ganze grüne Gebirgsthal vor sich hingestreckt sieht wie einen großen, von riesigem Bergzaune umgebenen Rasenplatz. Die Stimme gehörte einem hochgewachsenen, hageren Manne, der den kahlen, nur noch mit einem Kranze weißen Kraushaares umgebenen Kopf durch die Thür in’s Hausfletz gesteckt hatte, das er zugleich mit scharf musternden Blicken überschaute. „Na,“ begann er wieder, „hört denn wirklich Niemand? Wenn’s heut’ nichts mehr wird, so freu’ ich mich auf morgen.“ Er hielt wieder einen Augenblick horchend inne; doch in dem Hause waltete tiefe festtägliche Ruhe, und nur ganz fern ließ sich der gedämpfte Ton von Stimmen vernehmen, aber ununterbrochen durch das Rufen und unbekümmert um den Rufenden. Kopfschüttelnd setzte der Horcher den Finger an den Mund, und ein greller, schallender Pfiff gellte so laut durch den Raum, daß nur ein Todter oder ein vollständig mit Taubheit Geschlagener ihn zu überhören

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