Chapter

Chapter One

Es passierte zum ersten Mal an einem Dienstag im Labor, zwischen einem kalten Kaffee und einer Gleichung, die nicht aufgehen wollte. Maren Vogt sass vor dem Whiteboard, starrte auf die Zahlen und wuenschte sich — nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal — dass sie die letzten fuenf Minuten zuruecknehmen koennte, weil sie einen Fehler in der dritten Zeile gemacht hatte und zu muede war, alles noch einmal zu rechnen. Und dann war sie fuenf Minuten frueher, und der Kaffee war warm, und die dritte Zeile war noch nicht geschrieben. Sie brauchte drei Wochen, um zu verstehen, was geschehen war, und weitere zwei Wochen, um es zu reproduzieren. Die Regeln waren einfach und unbarmherzig: Sie konnte zurueckreisen, nie vorwaerts. Maximal sieben Minuten. Und alles, was sie in der Vergangenheit tat, aenderte die Gegenwart — aber nicht auf die Art, die sie erwartete. Es war, als wuerde das Universum auf jede Korrektur mit einer Gegenbewegung reagieren, wie ein Flussbett, das man umleitet und das sich seinen eigenen Weg zurueck grabt. Man konnte Details aendern. Man konnte die Richtung nicht aendern. Dann starb ihr Bruder. Ein Autounfall auf der A7, an einem Freitagabend im Maerz, eine Sekunde Unaufmerksamkeit, und Lukas war weg. Maren stand am Grab und dachte: Sieben Minuten sind nicht genug. Sieben Minuten reichen nicht, um einen Unfall zu verhindern, der zwei Stunden entfernt passiert

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