Erstes Kapitel
Kilian Gurlitt öffnete behutsam, während er scheu nach der Tür spähte, das untere Fach des Schreibtisches und knipste das Kästchen auf. Ohne hinzusehen griff er hinein; kalt und hart fühlte er das Metall in seinen Händen. Dann schlug er die kleine Tür zu, daß es dumpf krachte; erschrocken hielt er inne. Da nichts im Hause sich rührte, ließ er die Waffe spielend in die Tasche gleiten. Über dem Tiergarten lag der junge Abend. Bogenlampen, aufgereiht in leuchtenden Schnüren, flankierten die große Allee. Die letzten Anzeichen des Frostes waren der Wärme des Vorfrühlings gewichen; nun lag bläulicher Dunst über den dunklen Bäumen, die schon junges Grün ahnen ließen. Er ging hinüber, quer über die Geleise der Hofjägerallee, hinein in den Tiergarten. Es galt für gefährlich, hier zu gehen; er mußte lächeln bei dem Gedanken. Seltsam, wie alles sich änderte, wie die Perspektive zu den Dingen blitzschnell wechselte, wenn man sie von der anderen Seite betrachtete! Einen Moment lang blieb er stehen, das schimmernde Bild zu erfassen. Die Konturen der Stadt, fern drüben jenseits der dunklen Alleen, verschwammen im Dunst des Abends. Die Lichter der Straßen gaben der Ferne seltsam geometrische Linien; zur Rechten lief die Tiergartenstraße; das endlose Défilé der Autos, unabsehbar nach rechts und links, führte, ein glühendes Band, vom Kurfürstendamm ins Innere der Stadt. Ein Schritt klang hinter