Erstes Kapitel
Benedikt hob den Kopf aus den Kissen. Der Winter mußte über Nacht krank geworden sein. Die kleinen Meisen im Parke draußen sangen das feine Taulied, das süße, kindereinfältige, beseligende Mittagslied, wie sie es nur einmal des Jahres singen, das nur einmal des Jahres tröstlich wie ein Psalm in die erwachende Seele hineinleuchtet: wenn der Schnee von der Wurzeln der erwarmenden Bäume zurückweicht und die Bäume selbst zum ersten Male schwarz und ahnungsvoll in der weißen Landschaft stehen und der goldene Strahl aus heißer Schmelzbläue sticht und im Geäst ein violbrauner Duft erwacht und der Schnee über den unruhigen Tiefen ganz hohl wird, narbig und voll alter Blattern. Das hohe Fenster fällte sein Schattenkreuz über den blanken Fußboden. Man sah der Sonne die Mütterlichkeit des nahen Frühlings an. Der blaue Stäubchentanz in der Lichtbahn: und wie man sich auch mühte, nicht eines der geheimen Flimmerwesen war im Raume zu erspähen. Und dann trug es der Zufall oder irgendein Gesetz in den leuchtenden Strom hinein, und es wurde lebendig und schwärmte mit Millionen anderer hindurch und verschwand. Wo hatte er das zum letzten Male gesehen? … In der Stube des Geisterer. Und was hatte damals der Geisterer gesagt? Nein, er wollte nicht nachdenken; dazu fühlte er sich noch zu schwach. Es war so wohlig, dazuliegen, zu schauen, zu warten und nicht zu denken … Dort, der schöne alte Schrank