Die Wundergeige des Virtuosen
1. Kapitel. Wir wohnten als Gäste bei Miß Olivia Bennerton, deren Zwillingsschwester Daisy von Harst hier in großmütigster Weise geschont worden war, obwohl sie uns aus verwerflicher Goldgier ernsthaft nach dem Leben getrachtet hatte. (Vergl. den vorigen Band Das blinde Hindumädchen). Zwischen den Schwestern, die Waisen waren, bestand seit vielen Jahren keinerlei Verbindung mehr. Miß Olivia hatte nur noch dem Namen nach eine Schwester. Drei Tage waren jetzt seit jener Nacht vergangen, als Harst vor dem Affenkäfig in den Kellerräumen des schönen Bungalow Miß Olivias der Abenteurerin Daisy warnend zugerufen hatte: »Kreuzen Sie nie wieder meinen Weg!« — Wir hatten über diese Vorgänge nicht mehr gesprochen. Außer uns weilte zu derselben Zeit in Olivias Bungalow noch unser Freund Lord Breßfort mit seiner jungen Gattin, die mit Olivia eng befreundet war. — Lord Breßfort klopfte gegen neun Uhr abends an unsere Tür und trat dann ein. Er war im Frack wie wir. Wir sollten an diesem Abend sämtlich bei dem Gouverneur von Lucknow, General Sir Pawell Bitry, einen besonderen Kunstgenuß auskosten. Der stumme russische Geiger Iwan Iwannow war einer Einladung des Generals folgend heute in Lucknow von Benares aus eingetroffen und bei Sir Bitry abgestiegen. Iwannow sollte dem heutigen Gesellschaftsabend bei dem Gouverneur durch die Zaubertöne seiner Wundergeige eine besondere Weihe geben. — »Das