1. Kapitel: Ein schwarzer Tag
Ein schwarzer Tag. Die Zahl 13 erfreut sich keiner sonderlichen Beliebtheit. Ich war früher nie abergläubisch. Ich saß getrost als dreizehnter mit am Tisch, ich aß getrost dreizehn Austern, wenn ich zwölf bestellt und man sich in der Hotelküche zu meinem Gunsten verzählt hatte, ich habe oft genug nur ganze dreizehn Pfennige in der Börse gehabt. Es hat mir nichts geschadet. Aber seit diesem schwarzen Tage fürchte ich die dreizehn. Es war am 13. Juni. Wir saßen ahnungslos in der Harstschen Veranda. Der Lautsprecher knatterte ganz leise: Luftstörungen! Und dann kam’s: »Hier ist der Sender Runzendorf auf Welle 0,5 … Achtung, Achtung, hier ist also der Sender Runzendorf auf Welle 0,5 … Meine sehr verehrten Damen, Herren, Schwarzhörer und sonstigen Gauner, wir bringen Ihnen heute einen Vortrag über Schundliteratur. Unsere Sendeenergie reicht von Pol zu Pol, sogar bis zum völlig unbekannten Südpol. Dieses hochaktuelle Thema muß bis in die fernste Eskimohütte dringen. Wir haben es uns von jeher zur Aufgabe gemacht, unsere Vorträge …« ur … urr … krach … zisch … zisch … (Luftgeräusche) — etwa drei Minuten lang … Dann siegte wieder die Runzendorfer Sendeenergie über den verflixten Äther. Und dann: — — meine Ohren wuchsen, bildlich ausgedrückt, wurden ungeheuer, wurden kolossal … Beim Himmel: Schundliteratur — — und ich mit dabei, — ich wurde sogar »verlesen« …!! Aus Radiostation W. J. 10