Die Wiedertäufer
Hoch, wie im Aetherblau die weiße Taube die Blicke freudig ziehet himmelan, schwebt leuchtend über unsrer Erdenbahn der reine, helle, echte Gottesglaube. Von Schwärmerei berauscht, befleckt vom Staube der Unvernunft, wird er zum irren Wahn, der, schrecklicher als der Hyäne Zahn, der Menschheit Glück zerfleischt zu seinem Raube! Weh' denen, die den blut'gen Irrweg wandeln! Im wüsten Lärme wilder Meinungfehde verhallt der Wahrheit milde Segensrede. Lebend'ger Glaube zeige sich im Handeln. Nur die sind fromm, die ihre Pflichten üben aus Gottesfurcht und treu die Brüder lieben! Es war an einem schönen Morgen im Februar den Jahres 1534, als der Huf- und Waffenschmidtgesell Alf Kippenbrock von Coesfeld her auf die kaiserliche freie Reichsstadt Münster zugewandert kam. Schon hatte er Baumberg und Stestendorp im Rücken, und am Rande den Horizontes streckte der Sanct Lambertus-Thurm sein Gigantenhaupt in die Höhe, und die fruchtbare Ebene, in der das alte, ehrwürdige Münster lag, breitete sich allmälig vor dem Wanderer aus, und die andern Thürme und Kirchen tauchten zugleich hervor aus der breiten Fläche, und das Silber des schönen Aaflusses blitzte im Scheine der Morgensonne aus der Ferne herrlich herüber. Da blieb Alf an einem Steinkreuze am Wege stehen, und ein höheres Roth brannte aus seinen blühenden Wangen, und seine frommen Augen funkelten begeistert nach dem alten Bischofsitze,