Erstes Kapitel
Der junge Grobschmied Konrad vom Weyher stand vor dem Amboß. »Tummle dich, Gesell! den Takt gehalten!« rief er lachend, indes er den wuchtigen Hammer leicht und sicher durch die Luft schwang, daß die Funkengarben beim Niederschlag den ganzen dämmerigen Raum durchsprühten und erleuchteten. Dem Gesellen ging's nicht so flink ab – denn er trug Mieder und Röckchen und war eine frische Bauerndirne. Aber sie führte ihren Hammer auch nicht schlecht. Da war noch Nerv in dem sonngebräunten Arme der Jungfrau und doch ründete er sich zugleich in den feinsten Linien. War eine Reihe tüchtiger Streiche geführt, dann stellte der Schmied den Hammer auf den Amboß, stützte den linken Ellbogen auf den Stiel, bog sich mit dem rechten Arm hinüber zu dem Mädchen, küßte sie, und lustig ging's wieder fort in der Arbeit. In den Zweitakt des Hammerschlags sangen Meister und Gesell zuweilen ein zweistimmiges Stücklein. Aber halbwegs brachen sie dann meist die Weise wieder ab, weil sie nicht wußten, was süßer sei: zu singen oder zu reden. »He, Grete! Wir zwei beide, du und ich, sind doch noch die einzigen Männer im Ort! Hielten wir das Nest nicht noch ein wenig zusammen, aus Schrecken vor Schwed und Kroat, vor Hunger und Pest wäre es längst gar auseinandergefallen!« »Freilich, Konrad! Du bist gleichsam der Schultheiß und ich bin der Pfarrer.« Das durfte Grete in Wahrheit sagen. Der rechte Pfarrer war,