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Die Weinlese (Fragment)

Fragment Wenn der Mensch nicht immer etwas hat, das ihm lieber ist als das Leben, wird das Leben selbst bald sehr alltäglich und schal. Jeder soll etwas mit dem ganzen Feuer seiner Natur ergreifen und daran hangen wie an dem Heiligsten des Denkbaren. Der Dichter glüht für sein Ideal, der Künstler mit ihm für das Höchste der Kunst, der Enthusiast für das Heilig-Mystische, der Philosoph für sein Gedankensystem, der Krieger für fleckenlose Soldatenehre, der Patriot für das Vaterland, der Weltbürger für allgemeines Wohl, der wahrhaft gute Mann für die Tugend. Die weise Ordnung der Dinge ist, daß alles Schöne und Gute endlich in einem Zwecke zusammentrifft. Jeder trägt seine Forderungen in die Wirklichkeit um sich her und mißt diese gebieterisch mit jenen; und mit Recht, wenn diese Forderungen aus der Tiefe der reinen, bessern Natur geschöpft sind. Wenn die Jämmerlichkeit rund umher ihnen durchaus in gar nichts entspricht, zieht er sich einsam in das innere Heiligthum seines Wesens zurück und lebt für andere Zeiten und bessere Menschen; wenigstens schmeichelt ihm damit sein Stolz. Dieses Streben nach dem Bessern und diese Einsiedlerneigung, wo es ihm nicht gelang, hat, so lange die Geschichte erzählt, viele bessere Seelen von dem großen Trosse geschieden, und ihnen verdanken wir meistens die Erhaltung und Aufhellung der Lichtpunkte in unserer Menschennatur. Praktisch thätig sein,

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