Chapter

Der Bruch

Bifröst zerbrach an einem Wintermorgen, und der Klang war so gewaltig, dass er die Meere zum Kochen brachte. Sigrun stand auf den Klippen von Nordfjord und sah zu, wie die Farben des Himmels in Scherben fielen — rot und gold und grün, wie gigantische Glasfragmente, die im Sturz die Luft zerrissen. Dort, wo die Brücke den Himmel berührt hatte, klaffte nun ein Loch, schwarz und formlos, und aus diesem Loch strömte etwas, das kälter war als jeder Winter. Die anderen kamen einzeln, angezogen von einem Ruf, den keiner von ihnen hören konnte und der dennoch unüberhörbar war. Ragnar, der ehemalige Soldat, der seine Waffen vergraben und geschworen hatte, sie nie wieder anzurühren. Astrid, die Heilerin, die mehr über die alten Runen wusste als jeder Gelehrte der Akademie. Und Björn, der Schmied, dessen Hände zitterten, seit er in den Krieg gezogen war, der aber Stahl formen konnte, als spräche er seine Sprache. Sigrun kannte die Prophezeiung. Wenn die Brücke fällt und die Götter schweigen, werden Sterbliche an ihre Stelle treten. Sieben Wächter für sieben Tore, gebunden an einen Eid, der schwerer wiegt als das Leben selbst. Sie waren erst vier, und die Tore begannen sich bereits zu öffnen. Die Zeit lief ihnen davon wie Wasser durch gesprungenes Eis.

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