Vorwort des Verfassers
Eine kurze Orientierung über die politischen und geographischen Verhältnisse Livlands in den Jahren, in welchen dieser Roman spielt, wird manchem Leser willkommen sein. Unter Livland verstand man im XVI. Jahrhundert die heutigen Provinzen Liv-, Kurund Estland, drei Kreise des Gouvernements Witebsk und die Stadt Narwa. Das Estland der Gegenwart zerfiel wiederum in die Landschaften: Harrien (Reval), Wierland (Wesenberg), Jerven (Weißenstein), Allentaken (Narwa), die Wiek (Hapsal). In Livland unterschied man das Erzstift, das Stift Dorpat, die Insel Ösel und das Ordensland, doch lassen sich die geographischen Grenzen hier nicht in der Kürze angeben. In Kurland lagen Semgallen (Mitau, Bauske, das Oberland), Kurland (Goldingen), das Stift Kurland (Pilten, Amboten, Hasenpoth). Politisch gehörte der größere Teil des Landes dem Deutschherrenorden, dessen Besitzungen in Kurland und dem südöstlichen Livland in kompakter Masse zusammenlagen, sonst aber durch die Stifte vielfach unterbrochen waren. Die vier oben zuerst genannten Landschaften Estlands standen ebenfalls unmittelbar unter dem Orden. Der Herrmeister residierte in Wenden. Nächst dem Herrmeister verfügte der Erzbischof von Riga über den größten Besitz. Seine Residenz war im XVI. Jahrhundert gewöhnlich das an der oberen Düna liegende Kokenhusen. Die Stadt Riga wurde vom Erzbischof wie vom Herrmeister in Anspruch genommen, nahm