Kapitel 1
Während in der fieberhaft erregten Stadt die Menschen, wie von Dämonen getrieben, mit solchen Thaten der Leidenschaft ihr Gewissen belasteten, fuhr Wolfgang durch die ambrosische Nacht dahin in einer Stimmung, die kaum weniger erregt und doch so viel reiner und heilger war, als der duftige Athem des Abends, der über Rebenhügel und Saatfelder haucht, frischer und labender ist, als der dumpfe Brodem in der quetschenden Enge der Gassen einer mittelalterlich zusammengedrückten, übervölkerten Stadt. Die Straße zog sich fast ununterbrochen hart am Ufer des Stromes hin, allen launischen Windungen desselben getreulich folgend. Der unchaussirte Weg war nach der großen Trockenheit der letzten Tage sehr sandig, so daß trotz des besten Willens des braven Köbes und der ehrlichsten Anstrengungen seiner wackern, starkknochigen Pferde die Fahrt sehr langsam ging, viel zu langsam für den armen Wolfgang, der in seiner Ungeduld, die Stadt zu erreichen, den Flug der Wasservögel, welche der knarrende Wagen hier und da aus dem Röhricht des Ufers aufscheuchte und die in wunderbarer Eile horizontal über den im Mondenschein blinkenden Wasserspiegel weg das jenseitige Ufer erstrebten, kaum schnell genug gewesen wäre. Zwar die Angst um die Mutter, welche anfangs seine Seele ganz erfüllt hatte, war bei ruhigerer Ueberlegung etwas geringer geworden. Wolfgang mußte sich sagen, daß die Mutter ähnlichen