Kapitel 1
»Habe ich Ihm nicht schon tausend Mal gesagt, daß Er mir nicht aus dem Schlafe wecken soll!« »Ich dachte, Excellenz –« »Habe ich Ihm nicht schon tausend Mal gesagt, daß Er das Denken mir überlassen soll? Was bringt der Tölpel denn da?« »Einen Brief,« sagte der Mann trotzig, stellte den Präsentirteller mit dem Briefe auf den Tisch, einige Schritte von der Stelle, wo der General in seinem Lehnstuhl saß, und wandte sich zu gehen. »Ist der Dummkopf verrückt geworden« schrie der Alte und eine rothe Zorneswolke stieg an seiner hohen kahlen Stirn auf; »kann er mich nicht den Brief hierher an meinen Stuhl bringen, wie's sich gehört?« »Damit ich wieder den Stock von Excellenz an die Beine kriege; meine Knochen schmerzen mich noch;« murmelte der Bediente und beschleunigte, ohne sich umzusehen, seine Schritte, wie Jemand, der schnell von einem Orte weg will, an welchem es ihm nicht geheuer dünkt. Auch hatte er noch nicht die Thür hinter sich zugezogen, als ein schwerer Gegenstand hinter ihm herpolterte. Der General hatte mit einer Kraft und Sicherheit, die man seiner Gebrechlichkeit nicht zugetraut hätte, die kleine Bank, auf der seine gichtischen Füße ruhten, dem ungehorsamen Diener an den Kopf werfen wollen und statt seiner nur den Thürpfosten getroffen. Der Fehlwurf reizte seinen ohnehin schon erregten Zorn noch mehr; und wer den alten Mann jetzt gesehen hätte, wie er eine Fluth von