Erster Teil
Über dem Rauhen Grund brütete noch die Nacht. Hockte im Tal, dunkel und schweigend wie das Schicksal. Bis es droben vom Berge pfiff, schneidend kalt. Der Morgenwind. Da reckte sie sich fröstelnd, raffte den schwarzen Mantel und flog davon. Nur hier und dort flatterten noch die letzten Fetzen ihres Gewandes; schwere, graue Wolkensäume, die sie langsam nach sich zog. Droben über den Bergkamm kam der junge Tag gegangen. Vor ihm kroch die verflogene Eule auf der Maleiche grämlich tiefer hinein ins Geäst. Verdrossen über das Gezwitscher ringsum, das nun fröhlich den Morgen grüßte. Aber der war nicht der einzige Frühgänger hier oben im Hauberg. Da wanderte schon ein anderer des Wegs, vor Tau und Tag, wanderte mit weit ausgreifenden Schritten und sog tief in die Brust den herbstfrischen Hauch der jungen Eichen und Birken ein. Den Duft der Heimat. Wie hatte er sich nach ihm gesehnt in zehn langen Jahren, drunten im Sonnenbrand, in den Felsöden der Kordilleren, zwischen den ausgeblichenen, sengenden Bergzinnen, über denen, im Äther verloren, der Kondor kreiste. Nun war er wieder daheim und schritt durch den Wald. Den Wald seiner Jugend. Auf den alten, kaum mannsbreiten Schleichwegen, die sich kreuz und quer durch das Dickicht stahlen, durch Ginstergestrüpp und Heidekraut. Gänge, so niedrig nur, daß der Wanderer sich oft bücken mußte. Wie wenn man auf Heimlichkeiten ausging, war's