Erstes Kapitel
Schiefergrau schob der Rhein seine Wassermassen an Düsseldorf vorbei. Er zwängte sich stöhnend durch die Joche der alten Schiffsbrücke und entpreßte den Bohlen und Planken der bauchigen Brückenkähne denselben hellsingenden, melancholischen Ton, den einst der lustige Bergwind dem Holze entlockte, als es noch mit quellenden, steigenden Säften auf einsamen Nordlandshöhen oder grünen Schwarzwaldgipfeln seine Kronen wiegte. Ausströmend fand er seine Gelassenheit zurück, trieb schwerfällig an dem roten Schloßturm der schönen Jakobe von Baden vorüber, der als altes Wahrzeichen der Stadt in die neue Zeit mit ihrer alles glättenden, die Erinnerungen auslöschenden Verschönerungssucht glücklich sich hinübergerettet hat, und nahm die Parade ab über einen zusammengewürfelten Haufen baufällig scheinender Hütten und Baracken, die sich wie eine Zigeunerhorde an die massigen Hüften ihrer Nährmutter, den kalt und erhaben seine Umgebung beherrschenden Bau der Kunstakademie, herandrängten. Dann tauschte er kurz Red' und Antwort mit dem leisquellenden Wasser des Sicherheitshafens, überströmte kräftig den Rand der Golzheimer Insel, große Lachen in dem sandigen Boden zurücklassend, und entschwand nahe Kaiserswerth, der alten, efeuumsponnenen Feste, die einst Pipin erbaute und die die Entführung des vierten Heinrich sah, in einem scharfen Bogen gen Holland. Unaufhörlich ging der Regen nieder. In der