Chapter

Prolog

Wach auf aus deinem süßen Friedensschlafe, Entsteige deinem Melodienborn, Du Königin der Strophen, auf, Oktave! Gürt um dein Schwert, stoß in dein gold'nes Horn! Auf daß ich deine Feinde Lügen strafe, Leg' in dein schönes Angesicht den Zorn, Wirf deine seid'ne Lockenfluth, enthülle Im stolzen Gang des Südens Formenfülle! Zerstörte Tempel, umgestürzte Säulen, Schlachtfelder von Erschlagenen bedeckt; Verheerte Länder, nur von Schakalheulen Aus wüster Einsamkeit emporgeschreckt, Palläste, nun durchrauscht vom Flug der Eulen, Seestädte, die kein Schifferruf mehr weckt, Entnervte Völker, zuckend in Verblutung, Erdbeben, Hunger, Pest und Ueberfluthung; Jahrhundert langes Frevelthun gezüchtigt, Kein Blüthethal, kein Leben unverschont; Glorreiche Thaten, Namen schwer berüchtigt, Verbrechen mit Verbrechen abgelohnt; Wie Meteore Reich um Reich verflüchtigt, Unsterbliche wie Sterbliche entthront; Zwei Welten sich im Kampf entgegenbrausend, Ein sterbend' und ein werdendes Jahrtausend. Entroll' die Fluth der Völkerwanderungen! Sie riß den Erdkreis von der Kette frei, Mit welcher Rom die Völker hielt umschlungen; Doch mit der Kette riß zugleich entzwei, Was in Jahrhunderten der Geist errungen. In Trugverkünd'gung, Nacht und Barbarei Erschien bis auf den letzten bleichen Funken, Die alte Freiheit und Cultur versunken. Nie, seit in unversehrter Frühlingsgrüne Auf jedes Menschenweh mit

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