Die Versuchung des Columba
Als das sechste Saeculum seit der Geburt unseres Herrn Christus gut über die Hälfte vergangen war, und Columba noch nicht viele Jahre mit seinen Mönchen auf der kleinen Insel Iona nahe der schottischen Nordwestküste gewohnt hatte, ließ sich eines Morgens im Herbst zwischen den Pilgern, Büßern und Mönchen eine Jungfrau mit dem Fährschiff übersetzen, das von der düstergebirgigen Insel Mull nach der Klosterinsel überführte. Da sie hoch und schmal gewachsen war und einen Pilgermantel trug, konnte man sie wohl für einen Jüngling halten. Es war dies eben die Zeit, da Gott in Columbas Herzen den Gedanken erweckt hatte, noch weiter von Erin fortzuziehen und im Piktenlande den Stämmen, die dort heidnisch wohnten, die Botschaft vom Kreuz des Gottessohnes zu bringen. Es liebte aber Columba seine Heimat sehr, und sich von ihr in noch entlegenere Fremde, als schon Iona es war, zu entfernen, ängstigte sein Herz bitterlich, so daß der heilige Entschluß zu der Bekehrungsfahrt in das wilde Land, das er nur an seinen wüsten Rändern kannte, und den er wohl als Aufgabe und Stachel empfand, aber noch nicht eigentlich zu fassen vermochte, in jenen Tagen einer Wolke gleich auf seiner Stirn zu lagern pflegte. Noch strenger, als er es sich sonst zur Regel gesetzt hatte, erfüllte er jegliche Pflicht und kasteite sich mit Fasten und härtestem Lager, mit Kälte und Mühsal. Die Jungfrau, die mit dem