Chapter

Die Hochzeit

In einem hell erleuchteten Saale, umgeben von blühenden Brautjungfern und stattlichen Brautführern, stand die achtzehnjährige Esther Roman in Brauttoilette, schön und glücklich, wie Diejenige sein muß, welche von der Liebe zum Altar Hymens geführt wird. Sie lächelte die neugierige Menge an, welche sich eingefunden hatte, um zu gaffen und war glücklich in der Hoffnung auf eine herrliche Zukunft, ohne zu ahnen, daß die Rosen auf ihrem Lebenspfade auch Dornen verbergen könnten. Unter den Schaulustigen befand sich ein Jüngling mit blassem Gesichte. Er verbarg sich hinter den Anderen, wahrscheinlich, um den Blicken der Braut sich zu entziehen, während er sie auf eine Art betrachtete, die ein anderes Interesse, als das der Neugierde, verrieth. Nachdem er Esther einige Minuten lang unverwandt angeschaut hatte, eilte er aus dem Zimmer. Auf der Straße angekommen, nahm er vor dem Hause auf einem Steine Platz. Dort blieb er, das Haupt auf die Hände gestützt. Die Vorbeigehenden hätten glauben können, er weine, wenn sie nicht zum Glücke für ihn weitergegangen wären, ohne ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Aller Gedanken waren mit der Hochzeit beschäftigt, denn diese gewährte den Einwohnern der kleinen Stadt eine außergewöhnliche Zerstreuung, welche ihnen nicht jeden Tag zu Theile wurde. Esther war nämlich die einzige Tochter des reichsten Mannes in der kleinen Gemeinde, des Eisenwerkbesitzers

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