Der Tag des Verlobnisses
Ihr hehren Glocken schallt! Es naht die Braut. Der Wangen zartes Roth beschämt den Morgen, Der blaß aufsteigt. Ihr Heiligen verleiht, Daß diese Wolken uns nichts Böses künden! Altes Schauspiel. Der Tag des Verlöbnisses war nun nahe; und wie es scheint, war der Beruf der Aebtissin, oder wenigstens ihre Ausübung desselben, keineswegs so strenge, daß er sie abgehalten hätte, das große Sprechzimmer des Klosters zu dieser heiligen Ceremonie zu wählen, obwohl sie nothwendig viele männliche Gäste in diese jungfräulichen Bezirke führte, und ungeachtet die Feierlichkeit selbst der Vorbote eines Standes war, dem die Bewohnerinnen des Klosters auf immer entsagt hatten. Der Aebtissin normännischer Stolz auf ihre Geburt, und der wahre Antheil, den sie an dem Glücke ihrer Nichte nahm, überwanden alle Bedenklichkeiten. Man hätte die ehrwürdige Mutter bei ungewohntem Thun und Treiben überraschen können; denn jetzt gab sie dem Gärtner den Befehl, das Gemach mit Blumen zu bestreuen – und jetzt befahl sie ihrer Kellermeisterin und den Laienschwestern der Küche, ein prächtiges Gastmahl zu bereiten. Alle ihre Befehle in Betreff dieser weltlichen Gegenstände vermischte sie mit gelegenheitlichen Ausrufen über ihre Eitelkeit und Werthlosigkeit, und verwandelte hin und wieder die geschäftigen und ängstlichen Blicke, mit denen sie ihre Vorkehrungen betrachtete, in ein feierliches Aufwärtsschauen und