Chapter

Die verhexte Ziege

Es klopfte an der Thür des Schlafzimmers, und eine helle, jugendliche Mädchenstimme rief: »Papa, steh' auf; die Stube ist jetzt warm!« »Gleich!« schnarrte es unter der sich bewegenden Bettdecke hervor. Eine weiße Zipfelmütze kam zum Vorschein, darunter eine fürchterliche, scharf gebaute Nase, dann eine dünne, schiefe Linie, im gewöhnlichen Leben Mund genannt, ein aufwärts gebogenes, spitzes Kinn, ein weit hervortretender Kehlkopf, eine hochrothe Gesundheitsflanelljacke, zwei unendlich lange Beine in einer weiten, schlingernden Negligéhose, und nun stand er da, der Herr Stadtrath, Hausapotheker und Kohlenwerksbesitzer Johannes Hampel, stieß die beiden Fäuste so weit wie möglich ab, spaltete die dünne Linie zu einem letzten, kraftvollen Gähnen und trat dann an die Wand, wo über dem Waschtische der unvermeidliche Abreißkalender angebracht war. »Was haben wir denn heute eigentlich für einen Datus? Sapperlot, den ersten October; das ist einer von den vier großen Unglückstagen im Jahre, den ersten Januar wurde Adam aus dem Paradiese vertrieben, den ersten April ging die Sündfluth los, den ersten Juli ist Sodom und Gomorrha untergegangen, und am ersten October wurde der Teufel vom Himmel auf die Erde heruntergeworfen. Nun geht er den ganzen Tag und besonders am Abende umher und treibt allerlei Unfug mit Mensch' und Thier. Ich will nur gleich das Amulet umhängen, welches meine selige

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