Die Räuber am Glockenhofe
Über 160 Jahre sind verflossen, seit wir das letzte Mal im Glockenhofe waren. Der alte Glockengießer und seine Gesellen leben schon längst nicht mehr. Ich kann meinen Lesern nicht sagen, ob der Meister durch das Schwert des Henkers sein Leben geendet hat, oder ob er als grauer Sünder im Bette gestorben ist und wo seine Gesellen ihre letzten Stündchen gesehen haben. Wenn auch hienieden nicht, wird sie doch gewiss im Jenseits die Strafe für ihre Verbrechen, ebenso wie die Juden, ereilt haben, denn ungestraft taucht man nie die Hand in das Blut seines Mitbruders. Das wenigstens ist gewiss, dass sich von allen diesen Leuten um die Zeit, von der wir jetzt reden, kein Stäubchen mehr vorfand. Es blieb nur die Unheimlichkeit und Verrufenheit der Volderwaldgegend und besonders der alten Ellbögner Hochstraße, die nun viel einsamer und verlassener ist, als sie es schon um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts war. Wohl sehr selten zogen nämlich um das Jahr 1628 noch Kaufleute und andere Wanderer diese Straße. Der Verkehr hatte ja im Laufe der Zeit eine vollständige Ablenkung auf den Weg von Hall nach Ampass, Aldrans, Lans u. s. w. erfahren; deshalb war die alte Hochstraße schon so in Verfall gerathen, dass sie nur zu sehr einer Waldschlucht glich und den Eindruck großer Verwahrlosung machte. Unser Glockenhof war auch noch an seinem alten Platze und hatte sich nicht viel verändert. Er