Chapter

Auftakt

Grausamer Isidor, weshalb saßest Du die ganze Zeit bei Mutter und plaudertest mit ihr? Merktest Du nicht, daß ich die ganze Zeit vom Fenster aus zu Dir hinüberblickte und immer bleicher wurde, nur vor Sehnsucht, wie eine kleine, kranke Blume, die nach der Sonne verlangt? Ich liebe Dich, Vetter Isidor, ich liebe Dich, daß ich schreien könnte! Weißt Du, was ich des Abends tue, wenn ich ins Bett komme? Ich nehme das Taschentuch, das Du neulich draußen im Entré verlorest und nicht wiederfinden konntest und lege es über mein Gesicht und träume von Dir bis ich einschlafe, es riecht so wundervoll nach Deinem Parfüm, und nun habe ich mir beim Kolonialwarenhändler Ingerslev selbst eine Flasche Violette Russe gekauft. Ach, kleiner süßer, lieber Vetter Isidor, wenn Du zu uns auf Besuch kommst, dann ist es als ob die Sonne schiene, und ich könnte ruhig die ganze Zeit auf einem Schemel zu Deinen Füßen sitzen und Dich ansehen, ohne müde zu werden; aber das darf ich ja nicht, da Du verheiratet bist. Die Mädels machen sich über mich lustig, weil ich so gern von Dir sprechen möchte, aber nun nenne ich Deinen Namen nie mehr und wenn ich es gar nicht lassen kann, dann gehe ich in eine Ecke und spreche ganz leise vor mich hin: »Isidor, ich liebe Dich!« Und manchmal, wenn Türk und ich unten in meinem Häuschen sind, dann spreche ich laut von Dir, und ich glaube, Türk versteht mich, denn er sieht mir

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