Chapter

Die Unschuldige

Personen Gabriele Doktor Halland Die Alte Im Toilettenzimmer Gabrieles. Gabriele: Was hast du? Deine Hand blutet? Die Alte: In deinem Schleier stak eine Nadel. Gabriele: Gib doch acht! Ich habe genug Blut gesehen. Die Alte: Armes Kind, arme kleine Gabi. Du darfst verlangen, daß dieser dich glücklich macht. Gabriele: Ich hätte es mir verdient. Die Alte: Weißt du noch, wie ich traurig war, als ich dich für – jenen schmückte, für deinen ersten Mann? Du warst voll Vertrauen, ein unschuldiges Kind. Mir aber ist's jetzt, als hätte ich Ahnungen gehabt. Gabriele: Schweig, schweig doch! Die Alte: Ich will sagen: Dieser wird dich glücklich machen. Und würdest du ihn denn bekommen haben, wenn der andere nicht – auf solche Art geendet hätte? Sie zieht der Herrin den Rock herab und umarmt ihre Knie. Gabi, kleines Herz, als ich dir in unserem alten Kinderzimmer durch die Scheiben die Leute zeigte, da wußten wir beide noch nicht, wie böse sie gegen dich sein würden. Und doch hatte jener dich so sehr gequält; es war dein Recht, daß er umkam. Gabriele: Du sprichst, als ob ich's gewollt hätte. Stößt sie fort. Die Alte bekreuzigt sich: Gotte behüte mich! Dann wäre ich so schlecht wie alle, die dich verfolgt und verleumdet haben ein Jahr, ein ganzes Jahr lang. Er aber, der Doktor: oh! ich habe ihn kennengelernt in der schlimmen Zeit, und wenn er jetzt kommt – wie er schon ungeduldig sein wird, daß

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