Chapter

Die unglückliche Hanne

(Eine völlig wahre Geschichte) Auf der Universität L... lebte vor mehreren Jahren ein Dienstmädchen, mit Hamlet zu sprechen, keusch wie Eis, rein wie Schnee, und schön wie der Tag! – Man kannte sie weit und breit nur unter dem Namen der schönen Hanne. Alles was man ihr etwa mit Recht vorwerfen konnte, war, daß sie sich, wie die meisten ungebildeten, aber schönen Mädchen ein bischen zu viel auf ihr Lärvchen einbildete. Übrigens hielt man sie für ein gutes, braves, artiges Mädchen. Das karge Schiksal hatte sie zum Dienen bestimmt, wenn schon ihre ziemlich gute Erziehung auf etwas Besseres Anspruch machen durfte! – Ihr Karakter war sanft, ihre Laune munter, ihr Herz bieder. Sie konnte sich zwar nicht, wie die übrigen feilen Mietlinge, in jede grillenhafte Laune ihrer Gebieterinn schmiegen, aber sie wußte zur rechten Zeit zu schweigen und zu dulden, wenn der Hochmuth die despotische Geißel über sie schwang. – Im Hause wurde sie geliebt, mit ihren Geschäften war man zufrieden, um ihrer Lebensart willen zog man sie öfter in Gesellschaft. Nur an ???vesten Grundsäzzen fehlte es ihr, an Grundsäzzen, die sie gegen die zudringliche Schmeichelei jener Insekten gesichert hätten, welche so ämsig der Schönheit huldigen, indem sie die Seelenruhe morden. – ???An Grundsäzzen, die ihr im rechten Zeitpunkt in die Ohren geflüstert hätten: Hanne, traue diesen Zukkerworten nicht, sie gelten nicht

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