Wilhelm II. - Der junge Kaiser
Hoffnungslos lag, unter Qualen aus San Remo in die Heimat gebracht, Kaiser Friedrich in entsetzlichem Sterben. Er kämpfte um sein Leben nicht mehr. Er litt es heroisch zu Ende. Die öffentliche Meinung Deutschlands war zerrissen durch den Streit der ärztlichen Gutachten, die das Schicksal des Kranken noch durch chirurgischen Eingriff hatten wenden wollen, indes der Arzt des kaiserlichen Vertrauens bis hart an den sichtbaren Zusammenbruch des Herrschers jeden Eingriff als unnötig abgewehrt hatte. Die Wahrheit über den Kaiser – wenn sie es war – wurde nur geflüstert im Reiche, das noch voll Trauer lag über den Heimgang Wilhelms I., unruhig im ganzen Wandel der Zeiten, in denen das Alte müde hinsank, die Gegenwart sich nicht erheben konnte und alles einer Zukunft anvertraut schien, die keiner zu erkennen vermochte. Am Steuer des Staatsschiffes stand freilich noch Fürst Bismarck. Aber nicht allen mehr war der Reichskanzler der unantastbare, unfehlbare Reichserzengel. Unbekannte Strömungen, fremdartige, nie beachtete Gewalten begannen Daseinsanspruch und Heimatrecht auch auf deutschem Boden zu begehren. Neben den Bürger stellte sich, seit der Fürstreichskanzler dem geheimen Wahlrecht freie Bahn gewährt hatte, noch nicht mit aufbegehrender Forderung, indes mit ungewohnten, bisher nicht erlebten, oft aufreizenden Worten als neue Macht die Sozialdemokratie. Daß Kaiser Wilhelms I. Reich,