Chapter

Ostern

Ostern. Eine kleine Stadt. Ein kleines Haus weit draußen. Ueber dem Klingelgriff ein frischgeputztes Messingschild: Willy Wehrmann, Ingenieur. Die Scheiben an der kunstvoll vergitterten Hausthür funkelten, das Holzwerk blinkte. Selbst der Depeschenbote, der eben angeläutet hatte, freute sich, wie proper, neu und festtäglich alles an dem kleinen Hause war. Die junge Frau öffnete selbst. Sie lächelte freudig überrascht, während sie das Telegramm las: »Kommen mit dem Vieruhrzug – Käthe auch. Bleibt jedenfalls zur Nacht. Gruß! Willy.« »Kommen mit dem Vieruhrzug – Käthe auch. Bleibt jedenfalls zur Nacht. Gruß! Willy.« In der Aufregung vergaß sie dem Boten ein Trinkgeld zu geben. Erna Wehrmann war ein hübsches, junges Geschöpf, sehr schlank, braun, mit einer Kinderstirn und hellen Augen. Der Mund weich und eigensinnig zugleich – ein Mund zum Küssen und zum Schweigen. Das unbeschreibliche Parfüm von hausmütterlicher Sauberkeit umfloß sie und lieh den etwas schüchternen Bewegungen geheimen Reiz. Die junge Frau war allein im Haus. Sie hatte das Mädchen für den Feiertag aufs Land beurlaubt und sich eigentlich selbst auf ein süßes Ausruhen gefreut. Denn trotz ihrer Jugend ermüdete sie leicht, doch ein sicheres Pflichtgefühl stärkte die zarte Natur. Auch jetzt. Sie war im Augenblicke wieder frisch und inspizierte noch einmal voll geheimen Stolzes das Haus. Die treulose Aprilsonne lag

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