Was Hinter Einer Geduldigen Tuer Lebt
Hinten in Herrn Halperns Buchladen steht eine kleine grüne Tür. Die Tür öffnet sich nur dienstags.
Mira war seit Monaten jeden Samstag mit ihrem Papa in den Laden gekommen. Sie hatte Herrn Halpern viele, viele Male gefragt, was hinter der grünen Tür sei.
„Dienstags", hatte er immer mit einem kleinen Lächeln gesagt.
Heute war ein Dienstag. Miras Papa hatte ja gesagt. Mira war ganz allein, sehr langsam, sehr vorsichtig, zum Buchladen gelaufen, und die ganze Zeit hatte sie sich vorgestellt, was hinter der Tür sein könnte.
Ein Garten? Eine Bibliothek? Ein kleines Mäuse-Orchester, das Cello spielte?
Als sie ankam, wartete Herr Halpern. Er schien nicht überrascht, dass sie gekommen war.
„Dienstag", sagte er.
Er nahm einen kleinen Messingschlüssel von einem Haken. Er drehte ihn im Schloss der grünen Tür. Die Tür öffnete sich mit dem leisesten Klick.
Mira ging hindurch.
Es war — eine Werkstatt. Die eigene Werkstatt von Herrn Halpern, in der er alte Bücher reparierte.
Da war ein Schreibtisch mit einer kleinen Lampe. Da war eine Reihe Glasdosen voll mit Leim und Faden und winzigen Pinseln. Da war ein Stapel alter, trauriger Bücher — zerrissene Einbände, fehlende Rücken, vergilbte Seiten — und da war ein fertiger Stapel, der stolz und zusammengesetzt aussah.
Das war alles. Da war kein Garten. Da war kein Mäuse-Orchester.
Mira fühlte eine kleine Enttäuschung. Dann fühlte sie