Das Rendez-vous mit dem Goldzahn
Möglichkeiten verpflichten. Diesen Satz hatte Eiermann insgeheim seiner Lebensführung vorangestellt. Schon in jungen Jahren. Was zur Folge hatte, daß seine Biographie durchaus nicht so schematisch geblieben war wie die anderer, sondern streckenweise ganz ungewöhnliche Höhepunkte aufwies. Allerdings nur in venere. Auf anderen Gebieten pflegte Eiermann, wenn seinem Auge Möglichkeiten sich boten, es im Bewußtsein der ihm mangelnden Fähigkeiten zu schließen. In venere aber war es vor jeder Möglichkeit weit offen und schloß sich erst, wenn sie zur süßen Wirklichkeit geworden war. Dieses offene Auge, mit dem er jederzeit spazieren ging, verursachte nicht selten, daß Möglichkeiten, die andernfalls gar keine geworden wären, plötzlich vor ihm sich auftaten. Denn so manche Dame, die nur so für sich hinwandelte, ließ im Anblick seines groß auf sie gerichteten Auges, das ihre zur selben Größe sich ausdehnen. Damit war für Eiermann die verpflichtende Möglichkeit da. Eines Abends aber fiel ihm, als er bereits heimkehren wollte, schon von ferne etwas Glänzendes auf, das bei näherem Zusehen als ein durch das konstante Lächeln seiner Besitzerin entblößter, abnormal großer Goldzahn sich erwies. Eiermann war dermaßen von diesem Anblick gefesselt, daß er das Gesicht der Goldzahn-Besitzerin gar nicht gesehen hatte. Erst als das hypnotisierende Glänzen seinem Auge fehlte, bemerkte er, daß jene Dame