Die Truhe
Eines schönen Maienmorgens im Jahre 1827 ritt Don Blas Bustos y Mosquera, der Polizeimeister von Granada, mit einem Gefolge von dreizehn Reitern ins Dorf Alcolote. Es liegt eine Wegstunde von der Stadt. Bei seinem Anblick rannten die Bauern in ihre Häuser und verriegelten die Türen. Voll Schaudern lugten die Weiber aus den Fensterecken nach dem schrecklichen Manne. Die Vorsehung hatte seine Grausamkeit gestraft und seiner Gestalt den Ausdruck seiner Seele aufgedrückt. Er war sechs Fuß lang, schwarz und gräßlich mager, vom Scheitel bis zur Sohle Polizeimeister; der Bischof und der Gouverneur zitterten vor ihm. Während des Volkskrieges gegen Napoleon, in jenen Guerillakämpfen, die den Spanier des neunzehnten Jahrhunderts vor der Nachwelt dem Franzosen gleichwertig machen, war Don Blas ein berühmter Bandenführer. An Tagen, da seine Schar nicht wenigstens einen Franzosen zur Strecke brachte, schlief er in keinem Bett; das hatte er geschworen. Nach Ferdinands Rückkehr (1814) kam er auf die Galeeren von Ceuta. Acht Jahre ertrug er entsetzliches Elend. Man hatte ihn beschuldigt, er wäre in seiner Jugend Kapuziner gewesen und dem Kloster entsprungen. Schließlich ward er begnadigt; niemand erfuhr, warum. Nie spricht er ein Wort. Seine Schweigsamkeit ist allbekannt. Ehedem rühmte man seinen scharfen Witz. Keinen Gefangenen ließ er henken, ehe er ihm ein drastisches Wort zugerufen hatte.