Der Dichter und die Gräfin
An einem Flüßchen, das mit klarem Wasser sich in Windungen zwischen schlanken Erlen, durch eine fruchtbare Ebene hinzog, lag ein kleines sauberes Dorf. Wo dessen letzte Häuser standen, da zog sich eine mäßig hohe buchenbewachsene Berglehne hin; über die Bäume erhoben sich die Dächer eines Schlosses, das in halber Höhe vor Jahrhunderten erbaut war. In dem Dorf hatte für einige Wochen ein Herr von etwa sechzig Jahren Aufenthalt genommen, von dem die Leute im Dorf sich erzählten, daß er ein berühmter Mann war und Bücher für den Druck schrieb. Er war ein Dichter. Wenn die Wirtin ihm das Mittagessen in dem hellen und freundlichen Gastzimmer hergerichtet hatte, dann setzte sie sich wohl auf einen Stuhl zur Seite des Eßtisches, spielte mit dem Schlüsselbund und begann ein Gespräch. Sie sprach vom Weltkrieg, und wie da viele Leute aus dem Dorf gefallen waren, gerade die Besten, und sprach davon, wie manche sich damals ungerecht bereichert hatten, und dann kam die Revolution und die Geldentwertung, und der üble Reichtum ging wieder verloren, aber auch manche gute Leute kamen ins Unglück, und nun wurden die Zeiten immer schlimmer. Da seufzte sie wohl, wischte sich auch einmal eine unbegründete Träne aus den Augen, denn sie selber hatte ja eigentlich nicht zu klagen, gottlob! Das hatte sie nicht. Und so erzählte sie denn auch von dem Fräulein auf dem Schloß, von der jungen Gräfin, die