Die Trauung auf dem Blutgerust
Eines Tages, im Jahre 1501, schlug man an den Straßenecken von Neapel folgende Bekanntmachung an: »Derjenige, welcher den calabresischen Banditen Rocco del Pizzo todt oder lebendig den Händen der Justiz überliefert, soll eine Belohnung von viertausend Dukaten erhalten. »Isabelle von Aragonien, Regentin.« Drei Tage darauf erschien ein Mann bei dem — Polizeiminister und erklärte, er kenne ein unfehlbares Mittel, sich des Mannes zu bemächtigen, welchen man suche, verlange aber statt des gebotenen Geldes eine Gnade, die ihm nur die Regentin bewilligen könne, weshalb er auch mit der Regentin allein über die Sache zu verhandeln wünsche. Der Minister antwortete, er möge die Regentin einer solchen Kleinigkeit nicht belästigen und übrigens habe man viertausend Dukaten versprochen sonst nichts. Wenn er diese viertausend Dukaten haben wolle, so brauche er nur Rocco del Pizzo auszuliefern und sie würden ihm sofort gezahlt werden. Der Unbekannte schüttelte verächtlich den Kopf und entfernte sich. Denselben Abend wurde zwischen Resina und Terra del Greco ein so kühner Raub begangen, daß man einstimmig glaubte, nur Rocco del Pizzo könne die That vollbracht haben. Am nächsten Tage fragte Isabella den Polizeiminister um Erklärung über dieses neue Ereigniß. Der Minister konnte keine geben, der Thäter war wie immer verschwunden und befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach bereits an irgend einem