Kapitel I
»Das machen die kleinen Mädchen aus mir! Ja, lachen Sie mir nur ins Gesicht, Lotte, törichteste aller fünf törichten Jungfrauen. – O, was seid ihr für Geschöpfe? Woher seid ihr so unergründlich schlau in eurer übermenschlichen Dummheit? Warum durchschaut ihr mich und lacht mich aus, wo alle anderen Leute ehrfürchtig den Hut vor mir abziehen, vor dem Meister Josephus? Aber ihr ... ihr seht einfach in mir einen blonden Mann, ihr kleinen Mädchen! Ihr lebt nur für den Mann, durch den Mann, wegen dem Mann! Jeder Atemzug bei euch heißt Mann! Das ist euer einziges Ziel, eure Stärke, euer Daseinszweck. Aber habt ihr wenigstens Ehrfurcht vor dem Mann?« »Nein!« sagte Lotte. »Weil ihr ihn nicht kennt, ihr bunten Katzen! Was wißt ihr denn von uns? Ihr kennt nur ein Ding auf Erden. Wir zersplittern uns tausendfach. Für uns gibt es tausend Dinge, hohe Dinge, heilige Dinge, die liegen außerhalb des Weibes! Die ahnt ihr nicht. Denn in diesen Dingen sind wir keusch! Ihr aber natürlich glaubt, daß Männer keine Keuschheit haben!« Sie sah ihn gespannt an. »Was ist denn an Ihnen keusch, Meister Josephus?« »Meine Kunst ist keusch! Meine Bildhauerei! Da lüftet kein kleines Mädchen keinen Zipfel davon. Das versteht eine törichte Jungfrau, wie Sie, Lotte, natürlich nicht. Ihre Schwester Ellinor – die weiß es! Aber Ihr ... o ... ich kenn' Euch! Ihr wollt heiraten!« Seine Stimme wurde trübselig.