Eine Karte Die Sich Selbst Fuellt
Als Saskias Vater starb, war das Erbe klein. Er war Kartenmacher gewesen. Er war kein wohlhabender Kartenmacher gewesen. Er war ein sorgfältiger gewesen — die Sorte, die zweimal misst und einmal mit Tinte zeichnet und Karten macht, die andere Kartenmacher ganz still abkupferten.
Der Notar las das Testament am kleinen Küchentisch vor.
Seiner einzigen Tochter Saskia, elf Jahre alt, hinterließ er:
— seinen blauen Mantel
— sein Set Zeichenstifte
— und eine halbfertige Karte, in einem mit Samt ausgekleideten Holzkasten
Das war alles.
Saskia hatte nichts mehr erwartet. Der Mantel war warm. Die Stifte waren wunderschön. Die Karte — die Karte war seltsam.
Sie war auf einem schweren Papier gezeichnet, das nicht knitterte, selbst wenn sie sich aus Versehen darauf setzte. Die Tinte darauf war das langsame Braun von Eichengalle. Die Karte zeigte einen kleinen Landstrich, den Saskia gut kannte: das Dorf, den Fluss, die Wälder im Osten.
Aber die Karte war unvollständig. Hinter den Wäldern war das Papier leer. Und — Saskia bemerkte es am ersten Nachmittag — die Karte war nicht ganz dieselbe wie zur Mittagszeit.
Eine kleine Markierung war im Wald aufgetaucht, dort, wo sie an jenem Morgen Brennholz geholt hatte. Die Markierung war eine winzige Zeichnung eines Stapels gespaltenen Holzes. Sie war vorher nicht da gewesen.
Saskia hielt die Karte gegen das Licht. Die Tinte hatte dieselbe