Chapter

Kapitel 1

An einem Frühjahrsabend stand der Pfarrer eines kleinen märkischen Dorfes am Zaun seines Hofes und sah einem Bretterwagen nach, der eben vom Sand auf die gepflasterte Straße klomm und sich auf dieser klappernd entfernte. Der Pfarrer stand noch, als das Fuhrwerk verschwunden war, dann wandte er sich nach dem Hofe. Er begegnete seiner Frau, und in der Art von Leuten, die einen Ärger nicht anders als in der Form des Vorwurfs zu äußern wissen, sagte er zu ihr: »Ich bin sicher, daß sich Seiffert wieder betrinken wird – heute wie jeden Sonnabend; wir hätten ihm einen so kostbaren Transport nicht anvertrauen dürfen. Warum bin ich nur nicht bei meinem ersten Gedanken geblieben, ein eigenes Fuhrwerk zu nehmen, das die Vase abholt!« Die Frau, die weder des Kutschers Nüchternheit verfechten, noch sich dem Gedanken, ein eigenes Fuhrwerk anzunehmen, im geringsten widersetzt hatte, schwieg bei den wenig freundlichen Worten; aber ihre grauen Augen nahmen einen Ausdruck von Hilflosigkeit an, sie kehrte sich ab und ging ins Haus. Der Pfarrer sah ihr beschämt nach. Er wußte wohl, daß ein Wort genügt hätte, das liebevolle Gleichgewicht zwischen ihnen herzustellen; aber er wußte auch, daß das Wort schon im Herzen sich gleich wieder unfreundlich verwandeln würde, sobald er es auf die Lippen würde zwingen wollen. Zu gern versteckte er sich; er wußte es und konnte doch nur schwer dagegen kämpfen. In

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