Chapter

Erstes Buch: Psyche

»Phantasieloses – poesieloses Gesindel!« rief Rinaldo Fossano unmutig, setzte sein Barett auf, warf mit geübter Geschicklichkeit den rot gefütterten Mantel um, daß der rechte Zipfel auf die linke Schulter flog, und verließ, in der Haltung eines mit seinen Truppen unzufriedenen Generals, die Bühne des Teatro Farnese. Den ganzen Morgen hatte er sich mit den Tänzerinnen abgequält, um ihnen Verständnis für sein neukomponiertes pantomimisches Ballett beizubringen, mit dem er die Saison in Venedig zu eröffnen gedachte, nachdem seine für das Teatro Farnese zusammengestellte Stagione die Vorstellungen in Parma beendigt haben würde. Die armen Jüngerinnen Terpsichores gaben sich die erdenklichste Mühe und boten ihre ganze Kunst auf, um ihren Herrn und Meister zu befriedigen. Aber Signor Fossano war nicht nur ein Tänzer von Gottes Gnaden; er war auch ein Dichter, dessen Phantasie nach rhythmischen Orgien verlangte, in denen sich aber der menschliche Körper nur in den seltensten Fällen ergeht. Von mit den raffiniertesten Kniffen des Kunsttanzes Vertrauten verlangte er noch Evolutionen, die sich mit Selbstverständlichkeit aus der inneren Empfindung heraus rein instinktiv und ohne Berechnung ergäben – Bewegungen ohne Dressur –, ein Spiel der Linien, das sich ganz unmittelbar aus der Phantasie des Tanzenden ins Körperliche übertrüge – ungewollt – fast improvisiert und so, weil natürlich und

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