Die Sühne durchs Leben
Eine warme Sommernacht ruhte über einer noch jungen Ansiedlung im westlichen Theil des Staates Iowa, da wo er an Minnesota stößt. Der Mond, im ersten Viertel über der Prairie untergehend, warf ein röthliches Dämmerlicht über die Gegend. Es war, was die Hinterwäldler eine Opening nennen; die Prairie drang vom Westen her in den Urwald ein und bildete zwischen dessen dunkler Umsäumung eine Bucht. Am Waldrand floß mit leisem Rauschen ein klarer tiefer Bach, und über diesem war ein Stück des Forstes ausgehauen, um das Holz für die Wohngebäude und die mächtigen Zäune zu liefern, welche die Pflanzung mit dunkeln Linien einschlossen und durchschnitten. Die Stümpfe der von der Holzaxt auf halber Manneshöhe abgeschlagenen Bäume standen bleich im Mondlicht, wie Grabsteine auf einem Kirchhof; zwischen ihnen lagen schlafend die braunen Pferde. Näher der Wohnung, auf der flachen Wiese, ruhten die Rinder, und nur leise tönte zuweilen eine Kuhglocke, wenn ein Thier im Schlaf einen kriechenden Käfer abschüttelte. Weiterhin am Waldsaume hingereiht sah man noch ein paar Blockhäuser in ihren Pferchen liegen, wo andere Ansiedler auf dem Boden sich niedergelassen hatten, den der Pflug aber erst dem Ackerbau eroberte. Die Nacht war heiter und still: aus dem tiefen Urwald kein Schlag eines Vogels, im Haus des Ansiedlers kein Licht; nur Feuerfliegen durchgaukelten den Wald, wo sein Laub gegen den