Chapter

1. Kapitel: Die Gefangenen der Benguits

Die Gefangenen der Benguits. Der weißbärtige Kaid mit dem niederträchtig spöttischen Gaunergesicht blinzelte mich in scheinbarem Nichtverstehen fragend an. „Deine Worte, Herr, sind wie die Schafe, die die Drehkrankheit haben. Sprich deutlicher.“ Er streichelte seinen Bart und deutete mit der anderen Hand, die einen Tschibuk hielt, durch die offene Tür nach draußen, wo an den Nordabhängen des Tales auf kleinen grünen Terrassen neben Pferden und Maultieren und Ziegen auch gefleckte Schafe von jener gedrungenen marokkanischen Spielart weideten, die aus einer immerwährenden Kreuzung von Wildschaf und Hausschaf hervorgegangen sind. Die armen Tiere waren krank. Es war dieselbe Seuche, die auch Europa kennt. Die davon befallenen Tiere drehten sich fast auf einem Fleck im Kreise, fraßen wenig, magerten ab und mußten geschlachtet werden. Kaid Mahmed wußte recht gut, was ich meinte. Aber er wollte nicht verstehen. Mit diesen braunen Herrschaften kann man nur durch diplomatische Mätzchen verkehren. Die wenigen Stämme, die in den Küstenbergen an der atlantischen Seite Marokkos hausen, sind stark mit Negerblut vermischt und lieben die krummen Geistespfade. Von dem schlichten Wort: „Deine Rede sei Ja oder Nein“ haben sie keinen blassen Schimmer. Ich saß der offenen Tür am nächsten. Mahmeds Lehmhütte enthielt Düfte, die ebenso uralt waren wie er selbst und genau so unangenehm wie seine

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