Erster Teil
Ueber der von Fußgängern und Fuhrwerk belebten Straße stand die helle Mittagssonne. Trotzdem war es recht kalt, und der Schnee knirschte unter den Füßen der Leute, die meistens von der Arbeit kamen und schnell dahineilten, um die kurze Mittagspause voll auszunutzen. Die kleinen Lehrmädchen und Geschäftsfräulein, immer adrett und munter, eilten neben ihren männlichen Kollegen den breiten Fußweg entlang und zwischendurch, langsamer und ohne das feste Ziel einer dringenden Tätigkeit, die Spaziergänger und alle die, die hier in den Hauptverkehrsstraßen der Residenz ihre Einkäufe zu besorgen pflegten. Vor dem Riesenkaufhaus von H. M. Freitag Söhne hielt eine ganze Anzahl von Wagen, deren Kutscher auf ihre Herrschaften warteten, die in den eleganten Räumlichkeiten des großen Warenhauses mit Einkäufen beschäftigt waren. Eben fuhr wieder eine Automobildroschke vor dem Hauptportal vor, und dieser entstieg eine Dame, die durch ihre hochelegante Kleidung, aber auch durch ihre Schönheit die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Es war eine Frau von vielleicht dreißig Jahren und von imponierender Gestalt, dabei aber keineswegs von übermäßiger Fülle. Unter der Pelzjacke aus Zobel trug sie ein blaues Tuchkleid, mit dessen Farbe die des Hutes übereinstimmte, dessen weiße, wallende Federn den richtigen Schmuck bildeten für den wahrhaft klassischen Kopf der Dame. Ihr Haar, goldblond mit einem