Erster Theil
Auf dem rechten Ufer des Rheins, da wo der schöne Strom sich sein eingeengtes Bett durch die dunkeln Schiefergebirge bricht, die sich in seinen grünen Wassern spiegeln, liegt ein malerisches Dorf, das arme Winzer bewohnen. Ein Bach, der nur im Winter und Frühjahr den kiesigen Grund, durch den er sich im Sommer kollernd und murmelnd ein vielgewundenes Rinnsal sucht, mit rauschend daherschießenden Wogen überströmt, kommt von oben her aus dem Gebirge und mündet hier in den Rhein. In der Oeffnung des Thals, dessen Sohle diese kleine Seitenader der großen Wasserstraße durchrinnt, hat sich unser Dörfchen angesiedelt. Es ist ein echt rheinisches Bild: die Dächer mit schwarzem Schiefer bedeckt, die Mauern dunkel, grau und zerbröckelnd; unten am Ufer des Rheins der breite Streifen weißglänzenden Sandes, von den Hufen schiffeziehender Pferde aufgewühlt. Die Häuser liegen unregelmäßig rechts und links von dem Bache; eine bequeme Fläche, sich in Reihe und Glied zu stellen, hat das schmale Thal nicht geboten; darum sind sie zu beiden Seiten die Anhöhen hinangeklettert. Höher als das höchste Haus liegt das alterthümliche Kirchlein; es beherrscht von einem grünen Bühel aus den ganzen Ort – denn die Herrscherrolle ist ja den schönen, wohlerhaltenen Burgruinen, die auf der andern Seite des Thals, rechts, die Stirn des schroffen Bergpfeilers krönen, jetzt längst entzogen, so stolz sie auch von