Zuschrift an den Herrn Peter Lebrecht
Bester, unbekannter Freund! Mit welcher Ueberraschung und welchem Vergnügen zu gleicher Zeit ersah ich aus den Zeitungen, daß Sie sich darauf legen, jene alten Historien wieder in der Lesewelt herzustellen, die man jetzt beinahe ganz vergessen hat. Ich ließ mir den Ritter Blaubart sogleich kommen, und als ich ihn geendigt hatte, fühlte ich Lust, gegenwärtige Geschichte zu schreiben, die ich Ihnen hiemit übersende. Ich wünsche, daß sie Ihnen nicht ganz mißfallen möge; ist sie schlecht, so sind Sie in einem gewissen Sinne Schuld daran. Es wird Ihnen nicht darauf ankommen, von mir, einem ganz unbekannten Manne, gelobt zu werden, 86 wie es denn überhaupt in der Welt gar wenig ist, wenn man gelobt wird, denn der Panegyrist meint es selten so, wie es der zu Lobende gern gemeint wissen wollte, und so könnte es gar leicht kommen, daß ich Ihnen Sottisen sagte, indem ich Ihnen recht galant tournirte Complimente beibringen wollte. Auch will ich unsern berühmten Professoren des Lobes nicht in ihr Amt greifen. Ich kann Ihnen also nur sagen, daß mir Ihr Stück gefallen hat, und daß man keine zu große Prätensionen daran machen muß. Ihr Genie hat das meinige entzündet, das ist, dünkt mich, der größte Lobspruch. Ich habe Ihre Arbeit einigen Freunden gezeigt, die überaus kritisch sind. Einer davon hat es gar nicht gelesen, weil er behauptete, aus einem solchen Stoffe lasse sich nichts