Chapter

Die Sennerin und ihre Freunde

Beim Dotterhasch in der Stube schien's, als wäre etwas nicht ganz in Richtigkeit. Die Bäuerin hockte hinter dem großen Ehebette und flennte, der Bauer saß als ein vom Mittagessen Zurückgebliebener am Tische, nebelte ein ganzes Firmament Tabakrauch vor sich hin und stierte in dasselbe hinein. Daneben auf der Wandbank, schlank hingestreckt, lag der älteste, einundzwanzigjährige Sohn. Der Kerl konnte tot sein, so regungslos lag er da, er war aber nur faul. Er hielt Sonntagsruhe und tat die Augen zu. Es war ein Prachtbursche, wie er so dalag, und schöne Leute sind berückend, wenn sie schlafen. Was Wunder, daß die Mutter weinte! Denn wenn wieder Sonntag ist heute in acht Tagen, und wenn wieder abgegessen ist und die Leute ihre Rast halten, wird der Egyd nicht mehr daliegen. »Der wird derschossen,« knurrte der Alte in sein Gewölke hinein, weil manche Leute Trost darin finden, ihr Mißgeschick und Unglück noch größer aufzubauschen, als es ist. Nun war es eine Weile still, als wäre der Schuß schon gefallen und verhallt. Daß ich's erzähle, es war nämlich an diesem Sonntag ein schlimmes Dekret ins Haus gekommen. »Ich wollt' ihm gern die etlichen Tag', die wir ihn noch haben, gut geschehen lassen,« sagte der Alte halb vor sich hinaus und halb in sich hinein, »kunnt eins nur wissen, was er am liebsten möcht'.« Jetzt räusperte sich der Egyd und bog ein Knie in die Höhe. »Bist munter, Gidel?«

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