Chapter

Erster Teil

Prior Balthasar Schanz, der einst von seiner italienischen Mutter die Lebhaftigkeit des Wesens und vorschnelle Art geerbt hatte, liebte es seit seiner Jugend und in Erkenntnis der eigenen Natur, das Gebot des Schweigens, dem jeder Dominikanermönch täglich auf Stunden unterworfen ist, für sich selbst um ein Beträchtliches auszudehnen und zu verschärfen; denn er schätzte die Früchte des Schweigens, die da sind: Andacht und Innigkeit des Herzens, Zurückhaltung und Reife des Geistes, und strebte fleißig danach, sie für sich zu gewinnen. Wollte aber die Lage der Welt, wollten insonderheit die Wechselbeziehungen zwischen seinem deutschen Vaterlande und der mütterlichen Heimat Italien durchaus wegen ihrer Bedeutsamkeit erörtert und besprochen werden, so begegnete es ihm nicht selten, daß er in ungeduldiger Erwartung des Glockenzeichens wie ein gefangenes und gequältes Tier in seiner Zelle auf und ab lief, lebhaft gestikulierend, um die Freiheit, die der Zunge versagt war, durch energische Betätigung der Gliedmaßen unvollkommen zu ersetzen. Trieb einmal der Strom der Weltgeschicke im eingeschlagenen Bette vorwärts, war aus dem Neuen mählich wieder ein Altes geworden, so entwichen die zeitlichen Fragen mit ihrem Hang zur Geschwätzigkeit aus der einsamen Zelle des Priors, und Muße zur Betrachtung unvergänglicher Dinge stellte sich mit ihrer friedlichen Gefolgschaft ein. Hatte er dann

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