Chapter

Meiner Mutter

Nun steh' ich mit grauen Haaren Und sinne den Zeiten nach. Ach, Mutter, vor hundert Jahren Da war dein erster Tag. Ringsum ein Blätterfalben Und herbstlich-stille Ruh'; Es winkten dir allenthalben Die Wunder der Heide zu. Sie kamen mit Sagen und Singen, Wie Stimmen vom nahen Ried, Und ließen dir heimlich erklingen Ein seliges Wiegenlied. Und was die blühende Heide Dir treulich ins Herz gesenkt, Das hast du in Lust und Leide Mir doppelt und dreifach geschenkt. Das folgte mir allwegs und immer, Ein Zauber seltner Art, Das weinte beim Kerzenschimmer, Als man dich aufgebahrt. Das geht durch diese Blätter Wie Säuseln durch Heide und Hag ... Ich grüße dich und die Getter, Und heute ist dein Tag. 9. Oktober 1923

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