Die Seerose
Gräfin Marie von Kalckreuth zugeeignet. Das Boot stieß ab; der Kies des Grundes knirschte, als es sich losriß. »Bleibe,« rief eine flehende Stimme vom Lande. »Kehre um! Bleibe bei uns.« »Ich kann nicht. Zu eng ward mir die Heimath!« scholl es zurück. »Ich ziehe aus, das Glück zu suchen. Euch will ich es bringen. Ich komme wieder, wenn ich es gefunden. Leb wohl, Vater, leb wohl, geliebte Mutter; Schwestern; lebet wohl und Du, meine süße Braut. Ade! Ade!« Grüßend schwenkte er den Hut. Der kühle Morgenwind spielte mit dem blonden Lockenhaar des jungen Mannes, der, aufrecht im Boote stehend, sein klares blaues Auge der Küste zuwandte, die mit jedem Ruderschlage der Matrosen weiter zurückwich. Immer näher dagegen kam das Schiff, das in der See vor Anker lag und des Reisenden harrte, der mit ihm über das Meer fahren wollte, in der weiten Welt das Glück zu suchen. Als der Anker aus der Tiefe gehoben war und die frische Brise die Segel faßte, durchschnitt das Schiff die Wellen, die sich schäumend am Bug erhoben, als wollten sie ihm den Weg versperren. Das Schiff aber durchschnitt sie stolz, und die Seeleute sagten, die Fahrt wäre gut. Den Zurückbleibenden enteilte das Schiff zu bald. Mit ihren Blicken folgten sie, bis es, kleiner und trüber werdend, am Horizont der grauen Möve glich, dann einem winzigen Schatten, den nur das liebende Auge noch von dem flimmernden Nebel der Ferne