Chapter

Die Seemine

„Alte Geschichten – diese besonderen Aufträge haben es meist ‚in sich’, wie man zu sagen pflegt!“ knurrte Unteroffizier Karl Baluweit, indem er das Fernglas einstellte und eifrig das Vorgelände, über dem bereits die Dämmerung des heraufziehenden Abends lag, absuchte. Leutnant Hermstadt hatte sich neben seinem Untergebenen auf die Grasnarbe des Dammes, der die mit einzelnen Strauchwerkinseln bedeckten weiten Wiesen in Richtung nach Norden zu durchschnitt, lang hingestreckt und suchte sich auf der Karte zurechtzufinden, wobei er die in der Ferne hie und da sichtbaren Kirchtürme mit den in die Karte eingezeichneten Ortschaften ihrer Lage nach verglich. „Das da vor uns könnte das Dorf Blanscheern sein,“ meinte er jetzt, ohne Baluweits ärgerlichen Zwischenruf irgendwie zu beachten. „Könnte – könnte!“ brummte der Unteroffizier. „Damit kommen wir nicht weiter, Herr Leutnant. Eine Stunde noch, dann ist es stockfinster. Und eigentlich sollten wir uns längst auf dem Rückweg nach Brügge befinden. Ich sag’s ja: dieser ganze Befehl ist für uns die richtige Mausefalle.“ Der Pionieroffizier, ein noch jugendlicher, blonder Herr mit einem liebenswürdigen und offenen Gesicht, nickte verstimmt. – Am frühen Morgen war er mit vierzehn Mann und einem Unteroffizier von Brügge aufgebrochen, um die große Kanalbrücke bei Bleharies zu sprengen. Hoffte doch das Oberkommando, auf diese Weise die Reste der

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