Chapter

Der Schwesterbund

Um das verirrte Geschlecht der Erde zu seinem höhern Ursprung zurückzuführen und seinem Uebermute zu steuern, der über vergänglichem Sinnenrausch die Freuden der Tugend, über irdischem Gewinn seine ewige Bestimmung vergaß, sandten die Götter eine ihrer himmlischen Töchter, die Wahrheit, zu den Tälern der Erde hinab. Erkoren, die trügerischen Gebilde des Wahns zu zerstreuen, war es in ihre Macht gegeben, den Menschen jegliches Uebel, das sich in ihren Herzen verbarg, in einem Spiegel zu offenbaren. Zugleich war ihr Antlitz mit einem so siegenden Glanze bekleidet, daß jeder, ihre göttliche Abkunft erkennend, ihren Worten hingegeben vertraute. Als nun die Wahrheit zu den Hütten der Menschen trat und diese in ihren Spiegel schauten, da entsetzten sie sich über den Anblick ihrer eigenen Gestalt und die Flecken ihrer Seele, und sie entflohen in die äußerste Wildnis, um sich vor den Augen der Wahrheit zu verbergen. Andere entbrannten über ihre Worte in raschem Zorn und trachteten darnach, die Priesterin des Himmels zu töten. Die Pfeile aber, die sie nach ihr versandten, kehrten sich auf ihre eigene Brust, und also fanden viele den Tod, die durch jene zum Leben berufen waren. Darüber betrübte sich die Wahrheit von Herzen, und sie floh aus den Kreisen der Menschen in ein einsames Tal. Als sie, abgeschieden von der Welt, einst im schmerzlichen Gefühle ihres Verlassenseins zu dem Himmel

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