Chapter

Die Schwestern Rondoli

I. Nein, sagte Pierre Jouvenet, Italien kenne ich nicht, obgleich ich zwei Mal auf dem Wege dahin war. Aber jedes Mal wurde ich an der Grenze durch Umstände aufgehalten, die mir's unmöglich machten, weiter zu kommen. Und doch haben mir diese beiden Versuche einen reizenden Begriff von den Sitten dieses schönen Landes beigebracht. Die Städte, Museen, die Meisterwerke der Kunst, mit denen Italien begnadet ist, muß ich erst noch kennen lernen. Sobald ich irgend kann, werde ich einen erneuten Versuch machen, mich auf dieses mir bisher unerreichbare Gebiet zu begeben. – Sie verstehen nicht was das heißen soll? – Gut, ich will es Ihnen erklären. Im Jahre 1874 bekam ich Lust einmal Venedig, Florenz, Rom, Neapel zu besuchen. Der Wunsch kam mir so gegen den 15. Juni, zur Zeit wo die Frühlingsdüfte uns den Drang in die Weite, den Drang nach Liebe in's Herz zaubern. Doch ich bin nicht eigentlich eine Reisenatur. Mir dünkt der Ortswechsel zwecklos und ermüdend. Nächte auf der Eisenbahn, der Halbschlaf beim Rütteln des Zuges, bei Kopf- und Gliederschmerzen, die Schmutzkruste, die sich auf der Haut bildet, der Staub, der in die Augen kommt und sich in die Haare setzt, der Kohlengestank, das fürchterliche Essen an den Büffets, wo es immer zieht, all das ist nach meinem Geschmack ein schrecklicher Anfang für eine Vergnügungsreise. Nach dieser Einleitung im Schnellzuge kommt die Unbehaglichkeit

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